Trend zum Negativzins auch für Kleinanleger

Während bisher nur Großanleger oder Neukungen mit Negativzinsen belegt wurden, droht nun auch immer mehr Kleinsparern und Bestandskunden dieser Abzug. Der Trend zum Negativzins nimmt kontinuierlich zu. Bundesweit gibt es bereits zahlreiche Kreditinstitute, die bei Anlagen von Firmen und Vermögenden Minuszinsen oder Verwahrgelder erheben. Aber auch die Zahl der Banken und Sparkassen, die Kleinsparer damit belasten, steigt an. Allein im ersten Halbjahr 2021 hat sich die Anzahl der Kreditinstitute mit Negativzinsen verdoppelt.

01.08.2019 28.06.2021
  • Lesezeit ca. 3:30 Minuten
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  • 01.08.2019
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Negativzins
© Bartolomiej Pietrzyk/www.shutterstock.com

Die Ursache der Negativzinsen liegt in der Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank, die damit auf die positive Entwicklung der Wirtschaft Einfluss nehmen will. Das hat auch Auswirkungen auf private Anleger und Sparer. Girokonto und Tagesgeldkonto werden immer unattraktiver. Das Vergleichsportal Verivox hat die Preisverzeichnisse und Produktübersichten von rund 1.300 Kreditinstituten recherchiert. Das Ergebnis:

  • 348 Banken haben Negativzinsen für Privatkunden im Preisverzeichnis veröffentlicht.
  • Einige Banken und Sparkassen haben Medienberichten zufolge Negativzinsen, veröffentlichen diese aber nicht.
  • 20 Banken verlangen Gebühren für das normalerweise kostenlose Tagesgeldkonto - dadurch entsteht ein faktischer Negativzins.

Quelle: verivox.de, Stand: 24.06.2021

Nicht nur Konten mit hohen Einlagen betroffen

Lange Zeit richteten sich Negativzinsen entweder an Großanleger, zum Beispiel ab Summen von 100.000 Euro, oder an Neukunden, um weitere hohe Einlagen zu verhindern. Mittlerweile müssen neben Neukunden und Großanlegern aber auch Bestandskunden und Kleinanleger mit Negativzinsen rechnen. Bei manchen Banken geht es schon bei einem Guthaben von 25.000 Euro los. Andere Banken erheben Negativzinsen ab 10.000 Euro oder sogar ab dem ersten Euro.

Negativzinsen ab 25.000 Euro

  • Deutsche Skatbank
  • Genossenschaftsbank Unterallgäu
  • Kreissparkasse Augsburg
  • Kreissparkasse Heilbronn
  • Leipziger Volksbank
  • Postbank
  • PSD Bank Westfalen-Lippe
  • Raiffeisenbank Ebrachgrund
  • Raiffeisenbank Griesstätt-Halfing
  • Raiffeisenbank Nüdlingen
  • Raiffeisenbank Obermain Nord
  • Raiffeisenbank Parkstetten
  • Raiffeisenbank Rastede
  • Schrobenhausener Bank
  • Sparkasse Bamberg
  • Sparkasse Engen-Gottmadingen
  • Sparkasse Forchheim
  • Sparkasse Freyung-Grafenau
  • Sparkasse Mittelsachsen
  • Sparkasse Offenburg/Ortenau
  • Stadt- und Kreissparkasse Darmstadt
  • Stadt- und Kreissparkasse Moosburg
  • Städtische Sparkasse Offenbach
  • Volksbank Bremerhaven-Cuxland
  • Volksbank Meßkirch
  • Volksbank Rathenow
  • VR-Bank in Holstein

Negativzinsen ab 10.000 Euro

  • Raiffeisenbank Regenstauf
  • Raiffeisenbank Südstormarn Mölln
  • Sparkasse Bad Kissingen
  • Sparkasse Bielefeld
  • Sparkasse Gummersbach
  • Sparkasse Gütersloh-Rietberg
  • Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen
  • Sparkasse Wetzlar
  • Vereinigte VR-Bank Kur- und Rheinpfalz
  • Volksbank Rhein-Lippe
  • VR-Bank Fürstenfeldbruck
  • VR-Bank Landsberg-Ammersee
  • VR-Bank Mittelhaardt

Negativzinsen ohne Freibetrag

  • flatexDEGIRO Bank
  • Mainzer Volksbank
  • Märkische Bank
  • Raiffeisen - meine Bank Hilpoltstein
  • Raiffeisenbank Aichhalden-Hardt-Sulgen
  • Raiffeisenbank Bad Kötzting
  • Raiffeisenbank Bibertgrund
  • Raiffeisenbank Eifeltor
  • Raiffeisenbank Neumarkt i. d. Oberpfalz
  • Raiffeisenbank Stauden
  • Sparkasse Ingolstadt Eichstätt
  • Sparkasse Kulmbach-Kronach
  • Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz
  • Volksbank Brenztal
  • Volksbank Dortmund-Nordwest
  • Volksbank Hameln-Stadthagen
  • Volksbank Schermbeck
  • Volksbank Zwickau
  • VR-Bank Altenburger Land
  • VR-Bank Neuburg-Rain
  • VR-Bank Westmünsterland

Eine Übersicht mit allen Banken und weiterführenden Informationen finden Sie auf verivox.de



Wie entstehen Negativzinsen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt für die Länder der Euro-Zone den Leitzins vor, zu dem sie Kredite an Banken vergibt. Zur Unterstützung der Wirtschaft im Euroraum wurde dieser Zins im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 auf null gesenkt. 2014 folgte der negative Einlagezins, der Banken auf ihre Einlage bei der EZB Minuszinsen zahlen lässt. Von minus 0,10 Prozent wurde dieser negative Zins im März 2016 nochmals auf minus 0,40 Prozent gesenkt – ein historisches Zinstief. Als Folge und zur Weitergabe ihrer Kosten senkten viele Kreditinstitute die Zinsen für ihre Anleger. Auf den Nullzins folgte der Negativzins. Und ein Ende der Zinstalfahrt ist nicht in Sicht: Es wird sogar erwartet, dass die EZB den Einlagezinssatz weiter senkt.

Hintergrund der Nullzinspolitik der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Aufgabe, das Finanzsystem der EU-Länder stabil zu halten. Starke Preisschwankungen sollen vermieden werden. Durch die Zinssenkung soll zu Kreditvergaben und Investitionen angeregt werden. Damit steigen der Konsum und auch die Preise. Eine leichte Inflation, also eine Preissteigerung, gilt als positiv für das Wirtschaftswachstum und unterstützt die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Für Anleger soll es sich bei sehr geringen oder keinen Zinserträgen nicht mehr lohnen, Geld anzusparen. Sie sollen dazu ermutigt werden, es auszugeben. So kommt die Wirtschaft in Schwung.

Keine Veränderung in Sicht

Die EZB habe erkennen lassen, dass sie in den kommenden Monaten eine weitere Verschärfung der Geldpolitik in Erwägung zieht, erklärte Marija Kolak bei der Veröffentlichung der Bilanzzahlen 2018. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik sei aus ihrer Sicht aktuell aber nicht überzeugend und eine Deflation nicht in Sicht. Stattdessen seien moderat, aber kontinuierlich steigende Preise zu erwarten. „Das ist für die Wirtschaft kein schlechtes Umfeld. Das Wirtschaftswachstum wird sich fortsetzen, genau wie der Beschäftigungsaufbau im Euroraum, wenngleich in verlangsamtem Tempo. Die EZB darf nicht alleine die Inflation im Fokus behalten, sondern muss stärker die Folgen der Negativzinspolitik für die Wirtschaft insgesamt berücksichtigen. Hierzu zählt die massive Belastung der Kreditinstitute, die die Negativzinsen bisher nicht an ihre Kunden weitergegeben haben. Um den Schaden zu dämpfen, ist die Einführung eines Staffelzinses bei der Einlagefazilität durch die EZB dringend erforderlich, der die Kreditinstitute durch angemessene Freibeträge entlastet. 7,5 Milliarden Euro umfasste die Belastung der Kreditinstitute im gesamten Euroraum im letzten Jahr –laut einer Studie des Unternehmens Deposit Solutions“, so ihre Aussage zur aktuellen Lage am Finanzmarkt.

Alternative Anlageformen wählen

Gegen einen Notgroschen auf dem Sparkonto, mit dem man spontan unerwartete höhere Ausgaben abdecken kann, spricht natürlich nichts. Eine finanzielle Sicherheit im Hintergrund macht definitiv immer Sinn.

Doch eine größere Summe, auf die man jederzeit zurückgreifen kann, lohnt sich heute nicht mehr. Entweder gibt es sehr geringe Zinsen, oder den Sparer erwarten sogar Negativzinsen. Um diese Belastung zu vermeiden, sollte man über alternative Anlageformen nachdenken. Dazu gehören, je nach Risikofreudigkeit des Anlegers, beispielsweise Tagesgelder, Festgelder oder Fonds, für die man bei manchen Kreditinstituten noch einen kleinen Zinsertrag verbuchen kann. Auch in Sachwerten wie Gold kann man sein Geld anlegen. Die unterschiedlichen Angebote der verschiedenen Kreditinstitute sollte man genau prüfen und eventuell auf besondere Neukunden-Tarife zurückgreifen. Auch ein Bankenwechsel kann sich lohnen.

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