So funktioniert die automatisierte Geldanlage mit dem Robo-Advisor

Digitalisierte Geldanlage zählte zu den großen Finanztrends des letzten Jahrzehnts. Besonders digitale Anlagehelfer, die nach bestimmten Vorgaben ihrer Kunden automatisiert Geldanlagen managten, standen dabei im Fokus: die Robo-Advisors. Nach den ersten Jahren im Dienst der Vermögensverwaltung lässt sich nun eine erste Bilanz ihres Könnens ziehen.

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  • 19.03.2020
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Börsendiagramm auf Notebook
© StockSnap/pixabay.com

Die Idee der Fintech-Branche erschien von Anfang an verlockend: Warum sollte man nicht mit Algorithmen und Big Data von historischen Kursen und Marktverläufen die private Vermögensverwaltung automatisieren können? Der Ansatz versprach zugleich, ein bis dato sehr exklusives Angebot der Finanzbranche zu demokratisieren. Mussten bisher für standardisierte Vermögensverwaltung einige Zehntausend Euro und für individuelles Portfoliomanagement einige Hunderttausend Euro investiert werden, sollten die digitalen Vermögensverwalter dank der geringen Kosten schon deutlich geringere Anlagesummen managen können – praktisch ein individuelles Anlagemanagement für jedermann.

Wie die Robo-Advisors arbeiten

Robo-Advisors oder ihre Anbieter – junge Fintechs und etablierte Kreditinstitute – sammeln zunächst in Online-Fragebögen eine ganze Reihe von Informationen bei ihrer neuen Klientel ein. Neben den Vermögensverhältnissen steht dabei vor allem die Risikobereitschaft im Vordergrund. Automatisch werden die Kunden einem Risiko-Typ zugeordnet und erhalten innerhalb dieser Einordnung passende Anlagetypen wie beispielsweise Aktien, Anleihen oder Rohstoffe vorgeschlagen. Daraus wählen sie ihre Favoriten und eine prozentuale Aufteilung der Anlagesumme.

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Anschließend besitzen die digitalen Anlageberater schon alle Informationen, die sie für ihren Job brauchen. Sie eröffnen automatisch ein Depot und kaufen dann für das Ausgangsportfolio weltweit vor allem günstige Indexfonds oder ETFs ein, die die Anlagewünsche des Kunden repräsentieren. Ab hier trennen sich die Wege der Advisors dann oft. Sie folgen

  • passiven oder
  • aktiven Strategien bei der Vermögensverwaltung.

Die passive Strategie behält die einmal aufgestellte Verteilung weitgehend bei und nimmt höchstens kleinere Umverteilungen vor. Dabei reagiert sie allerdings nicht auf Marktentwicklungen oder Anlageempfehlungen von Experten.

In einer aktiven Strategie finden solche Expertisen oder Empfehlungen und das aktuelle Börsen- oder Marktgeschehen sehr wohl Berücksichtigung. Davon ausgehend schichten die Algorithmen ihre Portfolios mitunter laufend um, damit mögliche Verluste einen festgelegten Wert idealerweise nicht überschreiten können.

Dafür übernehmen die Anbieter aber keine Verantwortung. Sie garantieren lediglich, dass ein Portfolio gemäß den vorher vom Kunden definierten Risikokriterien und Anlagetypen geführt wird. Sie liefern damit letztlich eine ganz gewöhnliche Finanzdienstleistung und verlangen für diesen Service Gebühren. Diese setzen sich in der Regel aus einer Verwaltungsgebühr und variablen Servicegebühren zusammen. Im Schnitt entstehen so jährliche Kosten für die automatisierte Vermögensverwaltung von etwa einem Prozent der Anlagesumme.



Für wen lohnen sich die Robo-Advisors?

Das neue Angebot positioniert sich zwischen Anlegern, die ihr Kapital komplett selbst verwalten, und denen, die das Vermögen den Angeboten und Produkten ihrer Bank überlassen. Der typische Robo-Advisor-Kunde hat weder den Willen noch die Informationen, das Selbstbewusstsein oder die Zeit, sich ganz allein um seine Geldanlage zu kümmern. Er möchte die Verantwortung komplett oder teilweise abgeben, will aber zugleich Einfluss auf die Anlagestrategien nehmen können und bringt ein gewisses Grundwissen über Finanzmärkte und Finanzinstrumente mit.

Dafür ist er dann bereit, die Servicegebühren zu zahlen. Dieser Preis lohnt sich aber nur dann, wenn die Anleger ihr Portfolio überwiegend risikoorientiert wie mit Aktien-ETFs ausrichten. Folgen sie hier nur konservativen Strategien mit hohen Anleihen- oder Festgeld-Positionen, rechnen sich die Kosten der digitalen Assistenten nicht mehr.

So performen die Robo-Advisors

Zur Mitte des Jahres 2019 gab es 25 Anbieter für die digitale Vermögensverwaltung in Deutschland. Der Markt hat sich damit nach Schließungen und Zusammenschlüssen jüngst etwas konsolidiert, während gleichzeitig die Summe des verwalteten Kapitals aber kontinuierlich angestiegen ist.

Etwa vier Milliarden Euro sollen die deutschen Robo-Advisors 2019 verwaltet haben. Allein der Marktführer Scalable Capital betreute davon rund ein Viertel. Die Mehrzahl – rund 20 von ihnen – verfolgte dabei eine aktive Strategie, während nur eine gute Handvoll auf passive Vermögensverwaltung setzte. Für den Einstieg mussten Kunden teilweise nicht einmal ein Mindestkapital mitbringen und ebenso konnten Sparpläne häufiger ohne Mindestsumme begonnen werden.

Im Germany Monitor hat sich die Deutsche Bank Research im Februar 2019 mit der Performance der Angebote beschäftigt, die beiden Vorjahre analysiert und mit aktiv gemanagten Fonds oder den durchschnittlichen Ergebnissen einzelner ETF-Investoren in Vergleich gesetzt. Die Ergebnisse bescheinigen den Algorithmen solide Arbeit:

  • 2017 erzielten sie im Schnitt ein Plus von 3,9 Prozent und schlugen damit die aktiv gemanagten Fonds um einen ganzen Prozentpunkt. Individuelle Investments performten mit über acht Prozent allerdings mehr als doppelt so gut.
  • 2018 war kein sonderlich gutes Börsenjahr und das zeigte sich dann auch in diesem Vergleich. Robo-Advisors und Einzelinvestoren mussten ein Minus von etwa fünfeinhalb Prozent bilanzieren und die gemanagten Fonds schnitten sogar mit durchschnittlich achteinhalb Prozent Verlust ab.

Dabei wurden die Kosten für den neuen Service noch nicht berücksichtigt. Insgesamt schlagen sich die digitalen Anlageberater in diesem Vergleich trotzdem noch gut. Zwei Faktoren dürfen hier aber nicht außer Acht gelassen werden:

Erstens sind viele dieser Angebote in der Praxis immer ein gutes Stück von einer vollständig digitalisierten Geldanlage entfernt. Sie nutzen zwar die digitale Plattform für leicht zu automatisierende Prozesse und hohe Effizienz, im Hintergrund lenken neben Algorithmen aber noch genauso echte Finanzexperten die Entscheidungen und Strategien der Robo-Advisors.

Zweitens wurden die Anbieter bisher noch nicht von tief greifenden Marktverwerfungen oder gar einem handfesten Crash geprüft. Wie sie eine solche Herausforderung meistern und sich danach neu aufstellen, müssen die Robo-Advisors erst noch unter Beweis stellen, um sich tatsächlich ernsthaft für eine langfristige Vermögensverwaltung empfehlen zu können.

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