Fintechs: Revolution in der Finanzwelt

Finanzgeschäfte schnell, unkompliziert und effizient online und sogar mobil erledigen – das ist der Trend der Zeit. Auf diesen Zug springen immer mehr innovative, junge Unternehmen auf: Die Fintech-Szene wächst unaufhörlich.

16.01.2020
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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  • 16.01.2020
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Notebook und Kaffee
© freephotocc/pixabay.com

Zu Fintech - kurz für Financial Technology bzw. Finanztechnologie - werden Unternehmen gezählt, die moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen einsetzen. Dazu gehören Online-Bezahldienste genauso wie Online-Kredit- oder Versicherungsvermittlungen. Knapp 900 Finanz-Startups zählte die Branche Ende September letzten Jahres, wie in einer Studie der comdirect Bank ermittelt wurde.

Mehr Unabhängigkeit für die Verbraucher

Der klassische Gang zur Bank, um eine Überweisung zu tätigen, ist für viele Bankkunden schon längst Vergangenheit. Ein paar Klicks, und ein Geldbetrag kann schnell und einfach über das Onlineportal eines Kreditinstituts transferiert werden. Für alle Bankkunden, die online sind, ist das Routine. Doch auch diese Gewohnheit wird abgelöst – von Finanzdienstleistern, die ebenfalls die Möglichkeit bieten, Bezahlvorgänge online und mobil zu erledigen. Für die Verbraucher ist diese Entwicklung ein großer Vorteil: Konkurrenz belebt erfahrungsgemäß das Geschäft. Nutzer haben eine größere Wahlmöglichkeit und sind zunehmend unabhängiger vom klassischen Bankwesen – bei der Geldanlage genauso wie bei der Kreditaufnahme oder der Finanzberatung. Auch die Zeitersparnis ist als großer Vorteil anzusehen.

Kooperation statt Konkurrenz

Die klassische Bankfiliale ist ein Auslaufmodell – gerade in ländlichen Gebieten schließen zunehmend Zweigstellen. Diese Entwicklung ist nicht nur dem demografischen Wandel, sondern auch der technischen Entwicklung geschuldet: Die Kunden sind online und versorgen sich zu Hause mit den für sie notwendigen Finanzdienstleistungen. Fintechs übernehmen einen immer größer werdenden Anteil des Geschäfts und die zunehmende Digitalisierung macht die Bank vor Ort erst recht überflüssig. Um ihren Marktanteil nicht an die junge Konkurrenz zu verlieren, machen viele traditionelle Banken gemeinsame Sache mit den Online-Aufsteigern und nutzen deren Kompetenz, um auf die eigene Digitalisierung zu setzen.

Wachstumstrend setzt sich fort

Die Branche wächst: 118 Finanz-Startups wurden 2017 gegründet, 2018 waren es 127 - das hat die Studie der comdirectbank ermittelt. „Wir sehen in allen Bereichen ein konstantes Wachstum – auch wenn die jüngsten Meldungen über Fusionen und Übernahmen etwas Anderes vermuten lassen“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect Bank, und ergänzt: „Neue Technologien, aber auch regulatorische Vorgaben wie PSD II bieten vielfältige Möglichkeiten für junge Unternehmen. Zunehmend wird es dabei darauf ankommen, Finanz-Lösungen noch stärker in das Leben der Nutzer einzubinden und die Grenzen der unterschiedlichen Industrien aufzulösen. Banken und Fintechs stiften damit einen nachhaltigen Mehrwert für ihre Kunden.“



Branchen unterscheiden sich per Definition

Die Technologie-Branche besteht nicht nur aus Unternehmen des Finanzbereiches, sondern deckt immer mehr Sparten ab: Während Fintechs sich um die Entwicklung digitaler Finanzdienstleistungen kümmern, setzen InsurTechs auf den Online-Versicherungsbereich (Insurance = engl. Versicherung). Mit PropTech bezeichnet man die Firmen aus dem Tech-Sektor, die sich um den Immobilien-Bereich kümmern. Property Technology lässt sich damit sinngemäß mit Immobilientechnologie übersetzen. Zum Teil spricht man auch von ReTech. Der Begriff steht für Real Estate Technology (Real Estate = engl. Grundeigentum). Häufig handelt es sich dabei um junge Unternehmen, die in der Anfangsphase stehen, sogenannte Startups. Eine festgelegte Definition gibt es jedoch nicht. Jedes Unternehmen, das sich mit der Digitalisierung der Finanzdienstleistungsbranche beschäftigt, kann ein Fintech-Unternehmen sein.

Immobilienbereich am stärksten gewachsen

Mit 202 Startups führt der Immobilienbereich gemäß der Studie die Technologieszene an. 172 Startups zählt der Fintech-Bereich, auf dem dritten Platz folgen die Versicherungen mit 114 jungen Unternehmen. 96 Startups machen den Investmentbereich aus, der damit auf Platz vier landet. Neu auf Platz fünf ist der Bereich Blockchain mit 76 Startups. Dazu zählen Unternehmen, die sich zum Beispiel mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin befassen.

Hohe Investitionen in Fintech-Unternehmen

1,289 Milliarden Euro hätten Investoren von Januar bis September 2019 in deutsche Fintechs investiert – das sei ein neuer Rekord bei der Vergabe von Risikokapital, heißt es in der Studie. Damit seien die Investitionen des Gesamtjahres 2018 von 1,158 Milliarden Euro bereits überschritten. Nicht berücksichtigt seien dabei Investitionen durch Übernahmen und Fremdkapital. „Die Fintech-Branche ist die treibende Kraft des deutschen Venture CapitalMarktes. Mit 36 Prozent entfällt mehr als jeder dritte Euro, den Investoren in heimische Startups stecken, auf den Finanzbereich“, wird Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect Bank, zitiert.

Fintechs an der Börse

Ist eine Fintech-Firma börsennotiert, kann sie für Anleger interessant sein, beispielsweise als Bestandteil eines Fonds. Wie bei allen Anlagen, die Kursschwankungen unterliegen, ist auch hier das mögliche Risiko schwer einzuschätzen. Gerade bei Trendthemen, zu denen Fintechs momentan definitiv gehören, sollte man Vorsicht walten lassen und aufmerksam die Entwicklung am Markt beobachten. Bei guten Kurszuwächsen sind durchaus hohe Renditen drin. Doch sinkt die allgemeine Aufmerksamkeit, drohen ggf. auch Kursverluste.


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