Berufsunfähigkeit: Versicherung abschließen oder selbst sparen?

Wer seinen Beruf nach Krankheit oder Unfall nicht mehr ausüben kann, erhält vom Staat bestenfalls monatlich rund 700 Euro Erwerbsminderungsrente. Damit kann das gewohnte Leben kaum bestritten werden. Nur mit Vorsorge lässt sich der alte Standard halten. Aber welche Vorsorge bringt hier mehr – Berufsunfähigkeitsversicherung oder Ansparen und Geldanlage? Ein Vergleich.

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  • 20.03.2020
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Mann am Schreibtisch
© lukasbieri/pixabay.com

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung – kurz BU - wird immer wieder als eine der wichtigsten Versicherungen angepriesen. Sie erscheint sofort sinnvoll, denn sie garantiert eine monatliche Rente in bestimmter Höhe abhängig vom Vertrag, wenn die Versicherungsnehmer ihren letzten Beruf aus gesundheitlichen Gründen auf Dauer nicht mehr ausüben können. Allerdings fallen die Beiträge für viele Berufe mit höheren Gesundheitsrisiken happig aus. Für alle, die nicht frühzeitig jung und gesund eine Police abschließen, wird es noch teurer oder die Versicherer lehnen gleich dankend ab. Da stellt sich oft die Frage, ob eine regelmäßige monatliche Geldanlage nicht mehr Absicherung verspricht.

So funktioniert die Berufsunfähigkeitsversicherung

Alle, die eine BU besitzen und die nach einem erheblich gesundheitseinschränkenden Ereignis zu mehr als 50 Prozent nicht mehr in der Lage sind, ihren alten Beruf auszuüben, erhalten Leistungen aus der Versicherung. Die Minderung kann sich auf die wesentliche Tätigkeit oder den noch möglichen zeitlichen Umfang der Berufsausübung erstrecken. Eine generelle Erwerbsminderung oder -unfähigkeit muss für die private Berufsunfähigkeitsversicherung nicht gegeben sein. Es zählt nur der versicherte Beruf! Kann dafür die Berufsunfähigkeit durch ärztliche Atteste und Berichte entsprechend dokumentiert werden, zahlen die Versicherer die individuell vereinbarte Leistung in Form einer monatlichen Rente. Diese Versicherung eignet sich für praktisch jeden:

  • Alle Erwerbstätigen, die sich für den Fall der Fälle eine ausreichende monatliche Absicherung schaffen wollen oder
  • Freiberufler und Selbstständige, denen oft mangels ausreichender Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung selbst die geringe Erwerbsminderungsrente nicht zur Verfügung steht.


Versichert wird üblicherweise ab Eintrittsalter bis zur Erreichung des Rentenalters von aktuell 67 Jahren. Dementsprechend sollten Sie auch die Leistungsdauer bis zum Renteneintritt wählen, um keine Lücke entstehen zu lassen – selbst wenn dieser Faktor mit über die Beitragshöhe entscheidet. Die monatlichen Beiträge bestimmen sich ansonsten wesentlich aus diesen Faktoren:

  • Eintrittsalter
  • Gesundheitszustand oder eventuelle Vorerkrankungen
  • ausgeübter Beruf
  • gewünschte Versicherungsleistung beziehungsweise monatliche
  • Berufsunfähigkeitsrentenhöhe
  • Hobbys und
  • die schon genannte Leistungsdauer sowie
  • der Aus- oder Einschluss bestimmter Ereignisse oder Erkrankungen

Die verschiedenen Berufe teilen die Versicherer in fünf Risikogruppen von A bis E ein. In der Gruppe A finden sich hauptsächlich Bürotätigkeiten ohne jeden Anteil körperlicher Arbeit. Solche Jobs, besonders im Handwerk, gehören zu den Risikogruppen C und D. Berufe mit extremen Risiken sammeln die Versicherer in der höchsten Risikogruppe E. Nur drei Beispiele dazu:

  • Ein 35-jähriger Maler zahlt für eine versicherte Rente von 1.500 Euro monatlich durchschnittlich etwa 300 Euro BU-Monatsbeitrag. Eine gleichaltrige Bürokauffrau muss für die gleiche Versicherungsleistung lediglich etwa 100 Euro im Monat aufbringen.
  • Auszubildende als Mechatroniker können sich schon für rund 50 Euro monatlich eine Rente von 1.000 Euro versichern lassen. Beispielsweise ein angehender Dachdecker zahlt deutlich mehr.

Versicherer prüfen Anträge relativ streng. Berufe im sozialen oder handwerklichen Bereich, bei denen nur wenige bis zur Rente durcharbeiten, kosten automatisch höhere Beiträge. Manche Berufe erhalten überhaupt keinen Versicherungsschutz. Der Gesundheitszustand bei Versicherungseintritt oder riskante Hobbys wie Klettern oder Reiten erhöhen die Beiträge außerdem weiter. Trotzdem machen selbst hohe Beiträge in vielen Fällen Sinn, denn vom Staat ist nach Krankheit oder Unfall und Berufsunfähigkeit nur wenig zu erwarten.



Staatliche Leistungen bei Berufsunfähigkeit

Für die Gewährung einer Erwerbsminderungsrente müssen gleich diverse Faktoren erfüllt sein. Betroffene dürfen überhaupt keinen Beruf mehr länger als drei Stunden ausüben können, um eine Rente zu erhalten. Wer also beispielsweise seinem Handwerk nicht mehr nachgehen kann, aber trotzdem noch problemlos irgendwo einen ganzen Arbeitstag am Empfang sitzen könnte, erhält keine staatliche Rente. Könnten diese Personen zumindest noch eingeschränkt drei bis sechs Stunden arbeiten, erhalten sie höchstens die halbe Erwerbsminderungsrente. Viele Anträge hierzu wurden in den letzten Jahren abgelehnt. Wo eine Rente bewilligt wurde, fiel der durchschnittliche Rentenbetrag mit knapp über 700 Euro im Jahr 2017 zudem eher dünn aus.

Lesen Sie auch: 6 Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Geldanlage zur Absicherung einer Berufsunfähigkeit als Alternative

Die harten Kriterien für die Anerkennung einer Erwerbsminderungsrente und die geringe Höhe einer eventuellen Rente sind entscheidend für die geldliche Bedarfs- oder Versorgungslücke, die im Fall von Krankheit oder Unfall entstehen kann. Wer heute 2.000 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, muss schon eine Differenz von mindestens rund 1.300 Euro absichern, um bei einer Berufs- oder sogar Erwerbsunfähigkeit so weiterleben zu können, wie er es bisher gewohnt war und wie es manche Verpflichtungen auch erforderlich machen.

Im Rahmen einer BU sind dafür mitunter mehrere Hundert Euro Beitrag jeden Monat fällig. Alternativ könnte dieses Geld ohne Gesundheitsfragen oder Risikobewertungen von Beruf und Hobbys auch in eine Geldanlage wie beispielsweise Sparpläne mit Fonds oder Immobilien fließen. Die Idee erscheint verlockend. Mit zum Beispiel 100 Euro monatlich lässt sich in 20 Jahren ein Betrag von 24.000 Euro zusammentragen. Dazu kommen die diversen Kapitalerträge. Bei einer Rendite von vier Prozent wächst das eingesetzte Kapital dann sogar auf rund 33.000 Euro an.

Durchschnittlich müssen Arbeiter, Angestellte oder Selbstständige, die von einer Arbeits- oder Berufsunfähigkeit betroffen sind, mit knapp über 50 Jahren die Segel streichen. Bis zur Auszahlung einer Altersrente sind dann aber noch rund 15 Jahre offen. Sollen in dieser Zeit 1.000 Euro im Monat den Lebensunterhalt unterstützen, ist eine Kapitalbasis von 180.000 Euro erforderlich. Um dieses Kapital zu erreichen, wären bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro und einer Vier-Prozent-Rendite p.a. fast fünfzig Jahre des Ansparens erforderlich – praktisch unmöglich. Hinzu kommt, dass angespartes Kapital, das frei zur Verfügung steht, oft für andere Zwecke ausgegeben wird. Wer also selbst für den Fall der Berufsunfähigkeit spart, benötigt eine Menge Disziplin.

Fazit zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Geldanlage und Ansparen können kaum die Versorgungslücke füllen, die im Falle einer Berufsunfähigkeit schnell entsteht. Eine dafür notwendige sichere Rendite lässt sich über Jahre und Jahrzehnte betrachtet aktuell kaum noch erzielen, wenn gleichzeitig die Sicherheit der Geldanlage im Fokus bleiben soll. Auf der anderen Seite fallen die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung auf den ersten Blick zunächst oft hoch und unattraktiv aus. Als effektive Absicherung überzeugen sie im direkten Vergleich dann aber doch deutlich.

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