Krisensichere Anlagen: Jetzt in Gold investieren?

Schon nach dem Ausbruch der Coronapandemie und jetzt wieder nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine unterstreicht Gold mit deutlichen Preiszuwächsen seinen Ruf als Krisenwährung. Der Preis für die 31,1 Gramm schwere Feinunze verfehlte Anfang März 2022 mit rund 2070 US-Dollar nur knapp sein Allzeithoch aus dem ersten Coronajahr 2020.

04.04.2022
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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    04.04.2022
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Ein Sparschwein aus Gold
© QuinceCreative/pixabay.com

In den Folgetagen bis Mitte März ging es dann wieder bergab für das Gold bis auf knapp unter 1950 US-Dollar. Auch 2020 und 2021 hatte es einen solchen Rückgang und dann eine Seitwärtsbewegung des Goldpreises bis zum russischen Einmarsch in die Ukraine gegeben. Doch jetzt wächst neben diesem Krieg gerade noch ein zweites Krisenszenario heran und wird durch die Kämpfe in der Ukraine sogar noch beschleunigt: Inflation. Viele Anleger fragen sich deswegen: Soll ich jetzt Gold kaufen?

So entwickelte sich Gold früher bei Krisen und Inflation

Sie können Gold in physischer Form kaufen, oder sie legen sich ETFs auf Gold zu, die sich letztlich parallel zum Goldpreis entwickeln. In beiden Fällen profitieren sie einzig von der Goldpreisentwicklung, müssen jedoch auch Kosten für die ETFs oder die sichere Goldverwahrung einkalkulieren. Damit Gold tatsächlich einen Krisen- oder Inflationsschutz für Ihr Vermögen erzielt, muss sich sein Preis abzüglich der Kosten prozentual immer oberhalb der Inflationsrate eines Jahres steigern. 2021 ging diese Rechnung nicht auf. Etwa fünf Prozent Preissteigerung stand ein Rückgang des Goldpreises um circa vier Prozent gegenüber. In einem historischen Rückblick zeigt sich, dass der Inflationsschutz des Goldes nur unter bestimmten Voraussetzungen greift – zum Beispiel in den Siebzigerjahren mit ihrer Öl- und Wirtschaftskrise. Über das gesamte Jahrzehnt erreichte die Inflation damals in den westlichen Volkswirtschaften kumuliert beinahe einen dreistelligen Prozentsatz. Der Goldpreis schaffte parallel ein Plus von fast 1800 Prozent. Hier hat der Inflationsschutz mehr als funktioniert.



Bei einigermaßen niedrigen Inflationsraten von drei, vier oder fünf Prozent fällt die Bilanz wie im Jahr 2021 anders aus. Die Goldpreisentwicklung schafft es dann in der Regel nicht, die Inflation zu kompensieren oder sogar zu übertreffen. Denn jetzt bieten die Aktienmärkte im Vergleich noch attraktivere Renditen und dann stagnieren Goldnachfrage und -preis eher. Die Entwicklung der Märkte in den Jahren 2020 und 2021 illustriert das deutlich. Nun gibt es aber noch sehr wichtige Player auf den Märkten, die zuletzt im Hintergrund blieben, aber nun langsam einflussvollere Auftritte hinlegen müssen – die Notenbanken. Um der wachsenden Inflation zu begegnen, sind sie früher oder später gezwungen, Schritt für Schritt die Null-Zins-Ära zu beenden. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat dies jetzt mit einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte bereits getan und kündigte zugleich weitere Zinsschritte an. Die Europäische Zentralbank (EZB) sträubt sich noch, schließt aber Zinserhöhungen zumindest nicht mehr aus.

Noch geht es nur um sehr kleine Zinssteigerungen. Sie wirken jedoch immer negativ auf die Goldpreisentwicklung und die Zinserhöhungen dürften außerdem noch wachsen. Solange die EZB dabei den Amerikanern hinterherläuft, ergibt sich ein weiterer negativer Einfluss für Goldkäufer in Deutschland oder Europa. Der Goldpreis ist historisch an den US-Dollar gebunden und wird bis heute von der weltweit führenden London Bullion Market Association (LBMA) zuerst in US-Dollar bestimmt. Steigt dessen Attraktivität wie gerade durch die Zinserhöhung der Fed, wird der Goldkauf mit einem Euro-Vermögen hierzulande teurer.

Edelmetallexperten sehen Gold weiterhin auf Wachstumskurs

Angesichts der Preissteigerungen 2022 in Deutschland und weltweit treten diese preisdämpfenden Effekte vermutlich aber eher in den Hintergrund und der Goldpreis bekommt trotzdem Luft für weiteres Wachstum. Volkswirte wie Thorsten Polleit von der Degussa oder der Gold-Experte Martin Siegel sahen ihn schon vor der Verschärfung der Situation durch den Ukraine-Krieg in einem langfristigen Aufwärtstrend. Siegel hielt dabei sogar ein Kursziel von 2300 bis 2500 US-Dollar pro Unze für möglich – somit mindestens einen Wertzuwachs von mehr als 15 Prozent gegenüber dem Goldpreis Mitte März 2022. Angesichts der wachsenden und sehr wahrscheinlich anhaltenden höheren Inflation besitzt Gold auch unabhängig von solchen konkreten Zahlen einiges Potenzial für die nähere Zukunft. Ein Einstieg als Teil einer Anlagestrategie kann sich selbst bei aktuellen Preisen kurz vor historischen Höchstständen deswegen immer noch lohnen.

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