Inflation in Deutschland so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr

Mit der Veröffentlichung der vorläufigen Schätzung der Inflationsrate sorgte das Statistische Bundesamt Ende Juli 2021 für Aufsehen. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 liegt die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen wieder über drei Prozent – mit voraussichtlich 3,8 Prozent sogar deutlich darüber. Erklärungen dafür gibt es bereits, aber noch keine zuverlässigen Antworten auf die Frage nach der weiteren Inflationsentwicklung.

11.08.2021
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 11.08.2021
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Frau kauft Lebensmittel in einem Supermarkt
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Das Statistische Bundesamt pflegt monatlich einen Verbraucherpreisindex mit einer Auswahl an 650 Waren und Dienstleistungen, die deutsche Haushalte einkaufen (müssen). Die Summe der Preisveränderungen zum Vorjahresmonat oder zum Vorjahr ergibt dann die Inflations- oder Teuerungsrate. Sie drückt aus, wie sich das allgemeine Preisniveau und damit die Lebenshaltungskosten in Deutschland entwickeln.

Gründe für die aktuell hohe Inflationsrate

Ein wesentlicher Faktor für den deutlichen Anstieg der Teuerungsrate im Vergleich zum Juni 2021 (+ 2,3%) und dem Vorjahr findet sich in den letztjährigen Maßnahmen zur Abfederung der Folgen der Coronapandemie. Ab dem 01. Juli galten letztes Jahr ermäßigte Mehrwertsteuersätze von 16 beziehungsweise fünf Prozent bis zum Jahresende. In diesem Jahr wurde wieder die volle Mehrwertsteuer fällig. Allein das ergibt im Monatsvergleich zum Vorjahr für den Juli eine zusätzliche Teuerung.

Doch es fallen ebenso in zwei Bereichen klare Preissteigerungen auf. Beispielsweise Nahrungsmittel verteuerten sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent. Noch größer fällt die Preissteigerung bei Energien aus: 11,6 Prozent. Dafür ist teilweise der seit Jahresbeginn geltende CO2-Preis für Benzin, Diesel, Erdgas oder -öl verantwortlich. Zusätzlich sind aber genauso die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahr mit coronabedingter geringerer Nachfrage geklettert.

Sowohl CO2-Preis als auch der Mehrwertsteuerunterschied werden noch bis zum Jahresende 2021 die monatlichen Teuerungsraten mitbestimmen. Erst im kommenden Jahr verschwinden diese beiden Preissteigerungseffekte wieder aus der Berechnung der Inflationsraten. Aber sinken die deswegen automatisch wieder oder muss sich Deutschland langfristig auf größere Teuerungen einstellen?



Ökonomen uneins zur Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland

Steigende Inflationsraten sorgen vielfach für Verunsicherung – an den Märkten wie bei Verbrauchern geht dann schnell das berühmt-berüchtigte Inflationsgespenst um. Nach einigen Jahrzehnten mit Inflationsraten von oft unter einem Prozent ist die Sorge aktuell noch etwas größer als sonst. Viele Ökonominnen und Ökonomen versuchen zu beruhigen. Sie verweisen auf den temporären Effekt – einen Inflationsbuckel -, der sich aktuell und in den kommenden Monaten zeigt, sich dann aber bald wieder normalisiert.

Andere Stimmen sehen eher Vorzeichen für eine länger anhaltende größere Inflation. Sie nennen dabei zuerst das angehobene Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) als Argument. Außerdem zeigen ausgesetzte Schuldenregeln bei den Euro-Staaten hohe Staatsausgaben auf Schuldenbasis an. Weitere Auflagen zum Klimaschutz dürften zudem die Kosten vieler Unternehmen erhöhen, die sie dann an die Verbraucher weitergeben. Zuletzt werden Gewerkschaften mit dem Argument der allgemeinen Preissteigerungen sehr wahrscheinlich bald größere Lohnerhöhungen fordern. Alles zusammen spricht dann gegen eine lediglich kurzfristige Steigerung der Inflation.

Exakte Prognosen sind nahezu unmöglich. Zu viele Unsicherheiten liegen in dem komplexen weltwirtschaftlichen Hintergrund, der sich am Ende auf die Verbraucherpreise auswirkt. Außerdem zeigen die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie noch immer starke Nachwirkungen. Es gibt momentan eine sehr hohe Kaufkraft. Nicht nur in Deutschland wurde in der Pandemie so viel gespart wie nie zuvor. Das Konsumklima fällt dieses Jahr wieder wesentlich freundlicher aus und die Nachfrage nach vielen Waren oder Dienstleistungen ist hoch. In einigen Bereichen kommt das Angebot noch nicht wieder hinterher. Immer noch stockt es in vielen Lieferketten und Produktionsprozessen. Das treibt hier die Preise zusätzlich an und eine Normalisierung ist noch einige Zeit nicht in Sicht.

Am Ende spricht mehr für langfristig höhere Teuerungsraten, die häufiger drei oder vier Prozent pro Jahr erreichen könnten. Inflationsraten von mehr als zehn Prozent, wie sie zum Beispiel die Türkei seit einiger Zeit regelmäßig erleben muss, sind allerdings nicht zu befürchten. Hier steuern Politik oder Zentralbank eher früher als später vehement dagegen. Denn hohe Inflationsraten bedeuten bald auch ein steigendes Zinsniveau und damit eine große Gefahr für die öffentlichen Finanzen und die gesamte Konjunktur.

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