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Trend zum Negativzins auch für Kleinanleger

Während bisher nur Großanleger mit Negativzinsen belegt wurden, droht nun auch immer mehr Kleinsparern dieser Abzug. Der Trend zum Negativzins nimmt kontinuierlich zu. Bundesweit gibt es bereits zahlreiche Kreditinstitute, die bei Anlagen von Firmen und Vermögenden Minuszinsen oder Verwahrgelder erheben. Aber auch die Zahl der Banken und Sparkassen, die Kleinsparer damit belasten, steigt an.

01.08.2019
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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  • 01.08.2019
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Negativzins
© Bartolomiej Pietrzyk/www.shutterstock.com

Die Ursache der Negativzinsen liegt in der Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank, die damit auf die positive Entwicklung der Wirtschaft Einfluss nehmen will. Eine Verschärfung dieser Geldpolitik sieht Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Für Banken werde es dadurch immer schwerer, eine angemessene Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen. Insbesondere, wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet würde.

Wie entstehen Negativzinsen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt für die Länder der Euro-Zone den Leitzins vor, zu dem sie Kredite an Banken vergibt. Zur Unterstützung der Wirtschaft im Euroraum wurde dieser Zins im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 auf null gesenkt. 2014 folgte der negative Einlagezins, der Banken auf ihre Einlage bei der EZB Minuszinsen zahlen lässt. Von minus 0,10 Prozent wurde dieser negative Zins im März 2016 nochmals auf minus 0,40 Prozent gesenkt – ein historisches Zinstief. Als Folge und zur Weitergabe ihrer Kosten senkten viele Kreditinstitute die Zinsen für ihre Anleger. Auf den Nullzins folgte der Negativzins. Und ein Ende der Zinstalfahrt ist nicht in Sicht: Es wird sogar erwartet, dass die EZB den Einlagezinssatz weiter senkt.

Hintergrund der Nullzinspolitik der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Aufgabe, das Finanzsystem der EU-Länder stabil zu halten. Starke Preisschwankungen sollen vermieden werden. Durch die Zinssenkung soll zu Kreditvergaben und Investitionen angeregt werden. Damit steigen der Konsum und auch die Preise. Eine leichte Inflation, also eine Preissteigerung, gilt als positiv für das Wirtschaftswachstum und unterstützt die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Für Anleger soll es sich bei sehr geringen oder keinen Zinserträgen nicht mehr lohnen, Geld anzusparen. Sie sollen dazu ermutigt werden, es auszugeben. So kommt die Wirtschaft in Schwung.

Im Japan-Szenario angekommen

Die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, hat bei der Bilanz-Pressekonferenz am 11. Juli 2019 zur aktuellen Niedrigzinsphase Stellung bezogen: „Die Märkte geben mit den neuen Renditetiefs ein klares Signal: Zinswende adé“, sagte sie. „Offenbar sind wir im Japan-Szenario angekommen. Auch wir rechnen nicht mit einer Wende beim Leitzins in den kommenden fünf Jahren.“ Der geldpolitische Kurs der EZB ließe sich als „very low for very long” kennzeichnen, was auf Deutsch sinngemäß „sehr niedrig für eine sehr lange Zeit“ bedeutet. Es werde für Banken immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen eine angemessene Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen, insbesondere, wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet würde. Allein durch den Ausbau des Provisionsgeschäfts und das Heben von Effizienzreserven seien die erforderlichen zusätzlichen Erträge bei Fortführung dieser Geldpolitik in Zukunft kaum zu erzielen, so ihr Statement.

Das sogenannte Japan-Szenario bezeichnet die aktuelle Situation in dem asiatischen Land. Trotz einer extrem expansiven Nullzinspolitik der Notenbank bleibt die Preisentwicklung dort schwach.



Keine Veränderung in Sicht

Die EZB habe erkennen lassen, dass sie in den kommenden Monaten eine weitere Verschärfung der Geldpolitik in Erwägung zieht, erklärte Marija Kolak bei der Veröffentlichung der Bilanzzahlen 2018. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik sei aus ihrer Sicht aktuell aber nicht überzeugend und eine Deflation nicht in Sicht. Stattdessen seien moderat, aber kontinuierlich steigende Preise zu erwarten. „Das ist für die Wirtschaft kein schlechtes Umfeld. Das Wirtschaftswachstum wird sich fortsetzen, genau wie der Beschäftigungsaufbau im Euroraum, wenngleich in verlangsamtem Tempo. Die EZB darf nicht alleine die Inflation im Fokus behalten, sondern muss stärker die Folgen der Negativzinspolitik für die Wirtschaft insgesamt berücksichtigen. Hierzu zählt die massive Belastung der Kreditinstitute, die die Negativzinsen bisher nicht an ihre Kunden weitergegeben haben. Um den Schaden zu dämpfen, ist die Einführung eines Staffelzinses bei der Einlagefazilität durch die EZB dringend erforderlich, der die Kreditinstitute durch angemessene Freibeträge entlastet. 7,5 Milliarden Euro umfasste die Belastung der Kreditinstitute im gesamten Euroraum im letzten Jahr –laut einer Studie des Unternehmens Deposit Solutions“, so ihre Aussage zur aktuellen Lage am Finanzmarkt.

Alternative Anlageformen wählen

Gegen einen Notgroschen auf dem Sparkonto, mit dem man spontan unerwartete höhere Ausgaben abdecken kann, spricht natürlich nichts. Eine finanzielle Sicherheit im Hintergrund macht definitiv immer Sinn.

Lesen Sie auch: Finanzielle Rücklagen: Darauf kommt es beim Notgroschen an

Doch eine größere Summe, auf die man jederzeit zurückgreifen kann, lohnt sich heute nicht mehr. Entweder gibt es sehr geringe Zinsen, oder den Sparer erwarten sogar Negativzinsen. Um diese Belastung zu vermeiden, sollte man über alternative Anlageformen nachdenken. Dazu gehören, je nach Risikofreudigkeit des Anlegers, beispielsweise Tagesgelder, Festgelder oder Fonds, für die man bei manchen Kreditinstituten noch einen kleinen Zinsertrag verbuchen kann. Auch in Sachwerten wie Gold kann man sein Geld anlegen. Die unterschiedlichen Angebote der verschiedenen Kreditinstitute sollte man genau prüfen und eventuell auf besondere Neukunden-Tarife zurückgreifen. Auch ein Bankenwechsel kann sich lohnen.


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