Studie zum Grundeinkommen: 1.200 Euro monatlich ohne Gegenleistung

Ein bedingungsloses Grundeinkommen – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Für 122 Studienteilnehmer ist es aber Wirklichkeit. Drei Jahre lang erhalten sie jeden Monat 1.200 Euro ausgezahlt, ohne Gegenleistungen erbringen zu müssen. Die Studie soll klären, wie sich das Leben mit Grundeinkommen verändert.

03.06.2021
  • Lesezeit ca. 1:30 Minute
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  • 03.06.2021
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Mann schaut auf sein Smartphone und hat Kopfhörer auf
© LDprod/www.shutterstock.com

Finanzielle Leistungen, die Armut verhindern sollen, gibt es in Deutschland viele. Hartz IV, Grundsicherung oder Grundrente sind bekannte Beispiele. In der Regel sind solche Leistungen jedoch an bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen geknüpft – es gibt sie nicht einfach so. Das ist beim Grundeinkommen anders. Teilnehmer der Studie erhalten das Grundeinkommen vollkommen bedingungslos.

Deutsche Wissenschaftler testen Grundeinkommen

Am 01. Juni 2021 gab es den Startschuss für das lange geplante Projekt. Der Verein „Mein Grundeinkommen“ hat gemeinsam mit dem DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und dem Max-Planck-Institut die Auszahlung des Grundeinkommens an 122 Studienteilnehmer gestartet. Die Teilnehmer konnten sich 2020 auf einen Platz in der Studie bewerben. Voraussetzung war, dass sie mindestens 18 Jahre alt waren und ihren Wohnsitz in Deutschland hatten. Von einer Million Bewerbern blieben nun durch ein langes Auswahlverfahren 122 Teilnehmer übrig. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten sie jeden Monat 1.200 Euro Grundeinkommen. Es muss nicht versteuert werden und ist an keine Bedingungen geknüpft. Die Studienteilnehmer müssen lediglich in regelmäßigen Befragungen preisgeben, wie sich das Grundeinkommen auf ihr Leben auswirkt.

Wie verändert sich das Leben mit Grundeinkommen?

Wissenschaftler wollen mit der Studie herausfinden, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die persönliche Einstellung und das Verhalten auswirken kann. Das Projekt soll klären, „ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“, wird Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins „Mein Grundeinkommen“, in einem Beitrag von ihre-vorsorge.de zitiert.

Studienteilnehmer sollen unter anderem Fragen zu ihrem Sozialleben und zum Arbeitsleben beantworten. Dabei kann es sich zum Beispiel darum handeln, wie sich soziale Kontakte, Arbeitszeiten, Überstunden oder ähnliche Punkte durch das Grundeinkommen verändern. Auch Themen wie die eigene Zufriedenheit, ehrenamtliches Engagement oder das allgemeine Stresslevel der Teilnehmer sollen regelmäßig beleuchtet und untersucht werden.

Kritik: Grundeinkommen ist teuer und macht Menschen faul

Das Projekt zum Grundeinkommen wird mithilfe von privaten Spenden finanziert. In der öffentlichen Diskussion taucht ein bedingungsloses Grundeinkommen zwar immer wieder auf, jedoch eher beiläufig und ohne Aussicht auf politische Mehrheit für das Thema. Kritiker empfinden die Idee des Grundeinkommens als Gefahr für das deutsche Sozialsystem. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) spricht Medienberichten zufolge von einer Gefährdung der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Außerdem sei die Umsetzung eines Grundeinkommens unbezahlbar. Kritiker bringen außerdem an, dass ein Grundeinkommen ohne Arbeit oder sonstige Gegenleistung die Menschen unzufrieden und faul machen könnte. Die Initiatoren der Studie weisen hingegen darauf hin, dass es für diese Auswirkungen keinerlei Beweise gebe. Genau das solle mit der Studie untersucht werden.

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