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Jahrelang zu wenig Zinsen: So kriegen Kunden ihr Geld zurück

Über Jahrzehnte hinweg sollen Sparkassen, Volksbanken und andere Geldinstitute ihren Kunden zu wenig Zinsen gutgeschrieben haben. Teilweise wurden Sparern dadurch vierstellige Beträge vorenthalten. Die Verbraucherzentralen klären auf und zeigen, was Betroffene jetzt tun können.

21.02.2019
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 21.02.2019
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Sparkassen-Gebäude
© MichaelGaida/pixabay.com

Verbraucherschützer schlagen Alarm: Jahrelang sollen Sparkassen und Banken Fehler bei der Zinsanpassung gemacht haben. „Wir haben sehr viele Prämiensparverträge gesehen, die unserer Meinung nach keine wirksame Zinsanpassungsklausel hatten“, meint Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht es ähnlich: „Jeder einzelne Vertrag, den wir bislang geprüft haben, enthält ungültige Klauseln“, sagt er gegenüber FOCUS Online.

Hauptsächlich Sparkassenkunden betroffen

Vor allem bei den Sparkassen soll es zu Fehlern gekommen sein. Folgende Sparverträge sind betroffen:

  • „Vorsorge Plus“
  • „Prämiensparen flexibel“
  • Riester-Banksparpläne

Auch einige Verträge von Volksbanken und anderen Geldinstituten können über rechtswidrige Klauseln verfügen, durch die Sparer Zinsen verlieren. Wie viele Sparpläne bundesweit betroffen sind, ist unklar.

Pro Sparvertrag drei- bis vierstelliger Betrag offen

Bankkunden, die solche Sparverträge abgeschlossen haben, sollten den Zinsverlauf genau überprüfen. Denn wenn zu wenig Zinsen gezahlt wurden, können Kunden diese nachträglich einfordern. „Nach rechnerischen Überprüfungen hat sich bei Stichproben pro Sparvertrag eine Summe im drei- bis vierstelligen Bereich aufgetan, die unserer Meinung nach den Sparern noch zusteht“, so Heyer. Je nach Vertrag kann es sich also um mehrere hundert bis mehrere tausend Euro handeln.

Was ist falsch gelaufen?

Als die betroffenen Sparverträge vor mehreren Jahren abgeschlossen wurden, erhielten Sparer noch attraktive Zinsen und Prämien. Während es Ende der 1990er Jahre bis zu 5 Prozent Zinsen auf das Ersparte gab, geht der Zinssatz heute gegen Null.

Für die meisten Sparer war diese Entwicklung damals nicht absehbar. Sparkassen und andere Anbieter bereiteten sich allerdings auf das Szenario vor, indem sie Hintertürchen in ihre Verträge einbauten. Schwammige Formulierungen sorgen für ausreichend Spielraum. Heißt es zum Beispiel: „Die Spareinlage wird variabel, zur Zeit mit 3 Prozent verzinst“, ist kaum ersichtlich, wie genau dieser variable Zins nach Vertragsabschluss angepasst wird. „Das würde die Bank theoretisch berechtigen, den Zins morgen auf 0 Prozent abzusenken“, meint Nauhauser. Einige Anbieter haben sich sogar die Möglichkeit von Negativzinsen offengehalten. Laut Verbraucherschützern sind Negativzinsen rechtswidrig. „Im Vertrag ist ja keine Rede von Verwahrentgelten, sondern es sollen Zinsen ausdrücklich gutgeschrieben werden.“



So holen Sparer ihr Geld zurück

Kunden sollten sich an ihr Geldinstitut wenden, die Zinsentwicklung prüfen und den Anbieter auffordern, nachzurechnen. Die Verbraucherzentralen haben dafür einen Musterbrief entworfen, an dem Betroffene sich orientieren können. Hier geht es zum kostenlosen Download des Musterbriefs.

Im Musterbrief bittet der Kunde um Offenlegung der Zinsänderungen und betont, dass er nachvollziehen möchte, ob das Verhältnis zwischen Vertrags- und Kapitalmarktzins während der Vertragslaufzeit eingehalten wurde. Sollte das nicht möglich sein, bittet der Kunde mit Bezug auf Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) um Anpassung der Zinsansprüche – auch rückwirkend.

Streitfall? Keine Angst vor hohen Kosten

Nicht abwimmeln lassen

„Oft teilt die Sparkasse daraufhin mit, die Klausel sei bereits im Sinne der BGH-Rechtsprechung geändert und jetzt transparent“, erklärt Nauhauser. Damit sollten Kunden sich nicht abspeisen lassen. Denn oft stimmt die Aussage schlichtweg nicht. Die Bank ist laut Nauhauser nicht berechtigt, eine neue Zinsanpassungsklausel festzulegen, ohne diese vorher mit dem Kunden auszuhandeln. Eine einseitige Änderung des Vertrags ist nicht zulässig.

Wer mit dem Musterbrief nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, kann sich an kostenlose Schlichtungsstellen, unabhängige Gutachter oder die Verbraucherzentrale in seinem Bundesland wenden. Die Verbraucherzentralen nehmen Prüfaufträge entgegen und untersuchen Verträge und Zinsgutschriften auf mögliche Fehler. Zwar kostet dieser Service 85 Euro, allerdings kann er Kunden dabei helfen, einige hundert oder tausend Euro zurückzuholen.


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