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Altersvorsorge mit Aktien: Merz will Anreize schaffen

Friedrich Merz (CDU) will die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge erweitern. Mit steuerlichen Begünstigungen soll der Vermögensaufbau mit Aktien attraktiver und für alle Bevölkerungskreise zugänglicher gemacht werden.

13.12.2018
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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  • 13.12.2018
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Aktien
© FirmBee/pixabay.com

Die Aktionärsquote in Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gering. Nicht nur das Deutsche Aktieninstitut (DAI) glaubt, dass dadurch Chancen verschenkt werden. Auch Friedrich Merz ist dieser Ansicht. Deshalb möchte er neue Anreize für die Altersvorsorge mit Aktien schaffen.

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Ergänzung des deutschen Rentensystems

„Ich spreche über eine ergänzende Altersvorsorge, die neben die gesetzliche Rentenversicherung treten muss“, betont Merz in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Aktuell besteht das deutsche Rentensystem aus drei Säulen:

  • Zur ersten Säule, der sogenannten Basisvorsorge, zählen die gesetzliche Rentenversicherung, die berufsständischen Versorgungswerke und die Rürup-Rente.
  • Bei der zweiten Säule handelt es sich um geförderte Verträge wie Riester-Renten oder die betriebliche Altersvorsorge.
  • Zur dritten Säule gehören ungeförderte Anlagemodelle, wie zum Beispiel Lebensversicherungen oder Fondssparpläne.

Fast jeder Berufstätige sorgt über die erste Säule fürs Alter vor. Darüber hinaus steht es jedem frei, zusätzlich mit Säule zwei oder drei zu sparen. Mit der Riester-Rente ist es Anlegern bereits möglich, staatliche Zulagen und Steuervorteile zu nutzen.

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Die geförderte private Altersvorsorge wurde 2001 vom ehemaligen Arbeits- und Sozialminister Walter Riester eingeführt. Allerdings ist der Sparer hierbei an Banksparpläne, Fondssparpläne oder Bausparverträge gebunden. Die Förderung eines Depots mit Einzeltiteln ist aktuell nicht möglich.



Steuerfreie Altersvorsorge an Aktienmärkten

Aktuell werden Erträge aus dem oben beschriebenen Drei-Säulen-System versteuert. Ob sie in die Einkommens- oder Kapitalertragssteuer fließen, hängt von der Art der Vorsorge ab.

Steuerliche Begünstigungen gibt es in Deutschland an vielen Ecken. Merz hält es für angemessen, diese zu bündeln und sie besonders auf die private Altersvorsorge auszurichten. Im Mittelpunkt seiner Idee steht die Geldanlage in Aktien. Eine komplett steuerfreie private Altersvorsorge würde nicht nur die Renten erhöhen, sondern auch dafür sorgen, dass Betroffene in der Ansparphase nicht so hohe Beträge einzahlen müssen, um ihre Rentenlücke zu schließen. Somit würde die gedeckte Altersvorsorge günstiger und das Risiko der Altersarmut bekämpft werden.

„Wir sollten die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen“, sagte Merz der Welt am Sonntag. Das Risiko schätzt Merz gering ein. Denn eine langfristige Beteiligung an Unternehmen sei statistisch gesehen erfolgreich und zuverlässig. Wichtig sei vor allem, dass Sparer in jungen Jahren mit kleinen Beträgen anfangen. „Das können schon vier oder fünf Euro am Tag sein“, betont Merz.

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Droht einseitige Bevorzugung?

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, steht dem Ganzen skeptisch gegenüber. Für eine endgültige Beurteilung seien die Ideen des CDU-Politikers noch zu vage. Es sei unklar, wie Merz‘ Vorschläge sich insgesamt auf das deutsche Rentensystem auswirken. Vor allem sei problematisch, dass steuerliche Begünstigungen für eine Form der Altersvorsorge gelten. „Es gibt aber auch in der Altersvorsorge aus gutem Grund unterschiedliche Bedarfe der Sparer, denen man dann nicht gerecht werden würde“, sagt Nauhauser dem SPIEGEL. Andere Anlageformen, wie zum Beispiel Immobilien oder Zinsprodukte, seien dann steuerlich benachteiligt. Auch anderen Kritikern fehlt es an einem Gesamtkonzept. Einzelmaßnahmen seien nicht zielführend. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), spricht sogar davon, dass es sich um ein "billiges Ablenkungsmanöver von dem, was bei der gesetzlichen Rente jetzt nötig ist" handelt. Der Saarbrücker Zeitung sagte sie, dass Merz' Idee sich nicht für die Altersvorsorge breiter Bevölkerungsschichten eigne. Auch den Vorschlag, in jungen Jahren schon mit vier oder fünf Euro am Tag anzufangen, hält Buntenbach für realitätsfremd. "Wenn Merz bei vier oder fünf Euro am Tag von kleinen Beträgen spricht, dann zeigt das, wie weit weg er von der Lebenswirklichkeit der Menschen ist." Denn fünf Euro am Tag bedeuten 150 Euro im Monat. Und das würde die Möglichkeiten vieler Menschen deutlich übersteigen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich Merz‘ Vorschläge durchsetzen und in das deutsche Rentensystem einfügen.


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