Riesengewinn: Trader-Neuling glaubt, er spielt mit Simulation

Stellen Sie sich vor, Sie versuchen sich mit einer Simulation als Day Trader. Es will nicht ganz gelingen und Sie befinden sich eine Million Euro im Minus. Dann stellen Sie fest: Es ist keine Simulation. Sie haben Ihr echtes Geld verloren. So ging es dem Franzosen Harouna Traoré.

28.06.2018
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 28.06.2018
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Mann freut sich
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Der Franzose Harouna Traoré wollte das Handwerk des Day Tradings erlernen. Dazu meldete sich der 41-Jährige bei einem Seminar der britischen Investment-Firma Valbury Capital an. Dort lernte er, wie man Aktien und Anleihen innerhalb eines Tages kauft und wieder verkauft. Day Trader können so schon die kleinsten Kursschwankungen nutzen und mit geringen Einsätzen hohe Gewinne erzielen. Eine attraktive Strategie für den ehemaligen Verkäufer von Analyseprogrammen. Doch mit einem Umsatz von 4,32 Milliarden Euro hat er wohl selbst nicht gerechnet.

Während der Übungszeit bei Valbury Capital spielte der Trader-Neuling mit einer Simulation auf der Demo-Plattform des Unternehmens. Nachdem er das Seminar abgeschlossen hatte, eröffnete er zwar mit 20.000 Euro einen Account bei der Investment-Firma. Trotzdem bewegte er sich zunächst weiter auf der Demo-Plattform. Dachte er. Als Harouna Traoré merkte, dass er sein echtes Geld eingesetzt hat, war er bereits eine Million Euro im Minus.

Augen zu und durch

Der zweifache Vater machte das Beste aus seiner Situation: Er biss die Zähne zusammen und verwandelte den Verlust innerhalb weniger Tage in einen riesen Gewinn. Zehn Millionen Euro holte er heraus – und setzte dafür ganze 4,32 Milliarden Euro um. Der Financial Times gegenüber betonte Traoré im Nachhinein, wie gestresst er gewesen war. „Ich konnte nur noch an meine Familie denken“, sagte er.

Broker-Firma stellt sich quer

Der enorme Druck war zu viel für den Franzosen. Er stieg aus und berichtete Valbury Capital von seinem Erlebnis. Die Broker-Firma beschloss kurzerhand, dass Traoré keinen Anspruch auf das Geld habe. Die Geschäfte wurden annulliert. Wie das geht? Liegt ein sogenannter „manifest error“ vor, können Geschäfte laut Börsenregeln annulliert werden. Begehen Trader einen Fehler und überweisen zum Beispiel wegen eines Tippfehlers statt ein paar tausend Euro einige Milliarden, dann liegt ein „manifest error“ vor. Traoré habe die ganze Zeit geglaubt, mit der Demo-Version zu spielen, weshalb eine Annullierung gerechtfertigt sei. So die offizielle Begründung von Valbury Capital.

Das will der Franzose nicht ohne Weiteres hinnehmen. Immerhin habe er den Verlust ganz bewusst in einen großen Gewinn umgewandelt. Die meiste Zeit sei ihm klar gewesen, dass es sich nicht um eine Simulation handelt. Er forderte Valbury Capital auf, ihm das Geld zu überweisen.



Fall geht vor Gericht

Zehn Millionen Euro auszahlen? Leichter gesagt als getan für eine Firma, die im letzten Jahr nur 11,88 Millionen Euro Umsatz verbuchen konnte. Kein Wunder also, dass Valbury Capital neben dem vermeintlichen „manifest error“ noch weitere Argumente anführt, um eine Auszahlung zu verhindern. So habe Traoré zum Beispiel festgelegte Höchstgrenzen missachtet und damit den Vertrag verletzt. Ein Kunde darf laut Vertrag nur bestimmte Summen handeln. Ein Umsatz von über 4 Milliarden Euro läge deutlich darüber.

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Diesen Ansatz wollen Traorés Anwälte nicht akzeptieren. Denn die Software des Trading-Programms beinhalte keine Sperre, die zum Einhalten der Höchstgrenze zwingt. Außerdem sei ein Vertragsbruch etwas ganz anderes als ein „manifest error“. Mit der voreiligen Annullierung hat sich die britische Firma unter Umständen selbst in eine schwierige Lage gebracht. Denn der große Irrtum: Valbury Capital hätte die zehn Millionen Euro nie selbst auszahlen müssen. Immerhin hatte der Franzose die Summe an der Börse gewonnen – und dafür sein eigenes Geld eingesetzt. Durch den Gang vor Gericht könnte es nun dazu kommen, dass die Broker-Firma doch zur Kasse gebeten wird.

Wie das Gericht entscheidet, bleibt abzuwarten. Und auch, welches Gericht den Fall überhaupt behandeln wird. In Frankreich herrschen strengere Verbraucherschutzgesetzte. Deshalb möchte Valbury Capital in London verhandeln, Traoré hingegen in Paris.

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